Kirschenplotzer nach Omas Rezept

  • Der „Kerscheplotzer“, wie er bei uns in der Pfalz heißt, ist zur Kirschenzeit aus den Bäckereien und Cafés nicht wegzudenken. Woanders heißt der Kuchen Kirschenmichel oder auch einfach saftiger Kirschkuchen. Das Besondere ist, dass er ohne Mehl gebacken wird. Stattdessen verwendet man altbackene Brötchen, trockenes Brot oder auch Zwieback.

Dieses Rezept ist eine leichte Abwandlung des Rezepts, das ich im Heft meiner Oma gefunden habe. Ich kann mich zwar nicht erinnern, dass ich diesen Kuchen mal mit ihr gebacken habe, oder dass sie ihn überhaupt zu meinen Lebzeiten mal gebacken hat, aber was könnte besser schmecken als ein altbewährtes Rezept aus Omas Sammlung?

In Omas Rezept steht nur Zwieback. Ich hatte noch Brotreste und Brötchen da und habe eine Mischung aus allen dreien genommen. Das kann jeder nach Geschmack machen, denke ich.
Da meine Backwaren noch recht frisch waren, habe ich alles klein gewürfelt (etwa wie große Croutons) und habe es über Nacht offen stehen und trocknen lassen.

Die Kirschen werden traditionell nicht entsteint! Der Kuchen würde stark durchsaften und das wäre nicht wünschenswert. Außerdem gehört das Kerneabknabbern und -ausspucken (bitte nicht zum Tischnachbarn) einfach zum Genuss des „Plotzers“ dazu.
Naschkater hatte seine Hilfe beim Backen angeboten und war erst etwas verstört, dass er die Früchte nur entstielen und nicht entsteinen sollte. Aber spätestens bei der Qualitätskontrolle des Ergebnisses war der Schreck vergessen.

Traditionell kommt wohl auch eher Kirschwasser in den Teig, aber Oma nahm zum Backen gerne Rum und auch ich mag den Zuckerrohrschnaps lieber als klare Obstbrände.

Für 1 Springform von mindestens 24, besser 26 cm Durchmesser:
2 altbackene Brötchen (= 150 g)
1 dicke Scheibe altbackenes Brot (=50 g)
50 g Zwieback
500 ml lauwarme Milch
120 g weiche Butter
250 g Zucker
1 Packung Vanillezucker
1 TL Zimt
1 Prise Salz
2 kleine Gläschen (2–4 EL) Rum
5 Eier, getrennt
60 g gemahlene Mandeln (oder Nüsse)
Ca. 1 kg Kirschen

Die Eiweiße mit der Prise Salz steif schlagen. Die Kirschen waschen, entstielen und trocknen.
Die warme Milch über die trockenen Brot-/Brötchen-/Zwiebackstücke gießen und ein paar Minuten weichen lassen. Die Butter mit den zwei Zuckersorten und den Eigelben schaumig rühren. Den Rum, die Mandeln und den Zimt zufügen, dann das Brot leicht ausdrücken und dazugeben. Alles verrühren. Dann die Kirschen und den Eischnee vorsichtig unterheben.
Die Springform einfetten (bis zum oberen Rand) und den Teig hineinfüllen.
Im vorgeheizten Ofen bei 180 °C mindestens 1 Stunde backen. Stäbchenprobe machen, ob der Kuchen gut ist. In der Form abkühlen lassen, erst lauwarm oder kalt aus der Form lösen. Den fertigen Kuchen mit Puderzucker bestäuben.

Habt ihr schon mit Kirschen gebacken? Oder vielleicht sogar eigene im Garten? Ich erinnere mich, dass ich mit meiner anderen Oma als Kind immer zum Friedhof spaziert bin und dass dort ein Kirschbaum mit einer Bank darunter stand. Da habe ich immer Kirschen gepflückt und genüsslich gefuttert, während Oma in Ruhe in der Sonne saß oder mit Bekannten Dorfklatsch austauschte. Welche Erinnerungen habt ihr an die Kirschenzeit?

Habt ein genussreiches Wochenende, ihr Lieben!
Eure Judith

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10 Gedanken zu „Kirschenplotzer nach Omas Rezept

  1. Brigitte Lessel

    Ich habe noch nie einen Kommentar abgegeben, lese sie aber immer gern. Dazu muss ich aber erklären, dass ich Jahrgang 1933 , also jetzt 88 Jahre alt bin. Meine liebste Erinnerung an Kirschen ist die : Wir , meine Mutter und wir 3 Kinder, 13 , 11 und 7 Jahre alt, kamen im Juni 1945 nach 4wöchiger Flucht aus dem Sudetenland ,( jetzt Tschechien) abends in Berlin an, natürlich zu Fuß, mussten aber bis um 18 Uhr von der Straße sein. Als wir im Bezirk Steglitz waren suchten wir wieder eine Unterkunft für die Nacht , die wir bei einer Familie glücklicherweise fanden. Es war Kirschenzeit und wir wurden gleich eingeladen die Kirschsuppe mit zu essen. Welch ein Genuss ! Nach Wochen der Entbehrung am gedeckten Tisch zu sitzen und Kirschsuppe zu bekommen! Noch jahrelang wurden wir von diesem Ehepaar in der Kirschenzeit zum Kirschsuppe Essen eingeladen. Eine tolle Erinnerung , immernoch .

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    1. Naschkatze Artikelautor

      Liebe Brigitte, das freut mich unheimlich, dass du hier deinen ersten Kommentar schreibst und diese wunderschöne Erinnerung mit uns teilst!! Herzlichen Dank dafür! Genau solche Geschichten machen Essen zu etwas besonderem und verbinden Menschen unterschiedlicher Herkuft miteinander. Genau so soll es sein! Ganz liebe Grüße!

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  2. Adele Robl

    Solange habe ich nach dem Rezept von meiner Oma gesucht und jetzt habe ich es gefunden,denn einen besseren gibt es nicht! Bin 70 Jahre alt,habe viele ausprobiert doch den Blotzer von ihnen ist das gleiche Rezept,ich hatte leider die Hälfte vergessen. Wir Kinder spucken die Kerne mit unseren Eltern um die Wette aus dem Fenster in den Eimer und wer die meisten traf bekam 5 Pfennig und durfte 1Std länger auf bleiben.Haben die Eltern gewonnen mussten wir den Abwasch machen,ach was für eine schöne Zeit !Vielen Dank für das Rezept,lg Adele.

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    1. Naschkatze Artikelautor

      Liebe Adele, das versüßt mir jetzt wirklich den Tag, vielen Dank für deine Nachricht! Das Kirschkernweitspucken klingt sehr lustig, eine wirklich schöne Familientradition! Solche Erinnerungen sind so wertvoll. Viel Freude beim Aufleben lassen mit einem guten Stück Kerscheplotzer! =) Liebe Grüße, Judith

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  3. Maria

    Hallo Naschkatze;

    zum Reinbeißen lecker!!!

    Tolle Fotos, schöner Text, ich lese deine Beiträge immer wieder gerne.

    Ciao, Maria

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